Flughafen Lahr in schweren TurbulenzenVon "Stuttgarter Nachrichten", aktualisiert am 04.03.2010 um 17:50Das Geschäftsmodell des Flughafens Lahr, der dem Europapark in Rust Gäste bringen soll, ist so gut wie gescheitert. Der Freizeitbetrieb rechnet in diesem Jahr jedenfalls nicht mehr mit Passagieren. Lahr andererseits sucht einen neuen Investor, weil sich der australische Eigentümer zurückziehen will.
Von Arnold Rieger
LAHR. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch den Flughafen im badischen Lahr schwer mitgenommen. Nicht nur das Frachtgeschäft ist eingebrochen, auch die Zubringerfunktion für den Europapark im benachbarten Rust läuft ins Leere. Außerdem steckt der Eigentümer Babcock & Brown finanziell in der Klemme. Der australische Mutterkonzern hat bereits im vergangenen Sommer Insolvenz beantragt.
"Wir brauchen einen Investor, Babcock & Brown wird uns mittelfristig verkaufen", sagte Geschäftsführer Axel Grossmann am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Derzeit liefen Verhandlungen mit Interessenten. Über die Erfolgsaussichten wollte sich Grossmann jedoch nicht äußern.
Der ehemalige Militärflughafen der kanadischen Streitkräfte befinde sich noch immer in der "Projektentwicklungsphase", so Grossmann. Lahr habe seine Vorzüge - unter anderem die längste Startbahn aller Flughäfen im Land - noch nicht voll zur Geltung bringen können.
Monatelang hatten im Jahr 2006 Vertreter der Region sowie des australischen Investors mit der Landesregierung um die Lizenz für den Flughafen gerungen. Vor allem der Chef des Europaparks Rust, Roland Mack, hatte die Politik dazu gedrängt, den Passagierverkehr zuzulassen - entgegen den Warnungen vieler Verkehrspolitiker, wonach die Region am Oberrhein neben Basel-Mulhouse, Straßburg und Baden-Baden keinen weiteren Flughafen mehr vertrage.
Vor allem die Eigentümer des wenige Kilometer weiter nördlich gelegenen Baden-Airports - das sind der Flughafen Stuttgart sowie zahlreiche Gemeinden in der Region - warnten vor einem ruinösen Wettbewerb. Doch Mack versprach sich von der Lahr zusätzliche Gäste für sein Unterhaltungsgeschäft.
Also gab die Landesregierung Mitte 2006 nach: Der Black Forest Airport, so der offizielle Name, erhielt eine beschränkte Lizenz als Sonderflughafen für Passagiere, die den Europapark Rust besuchen. Die Eintrittskarte in den Freizeitbetrieb buchen diese also quasi zwangsweise mit.
Doch schon vor der Wirtschaftskrise entwickelte sich das Geschäft eher schleppend. Die Absicht, scharenweise Gäste aus ganz Europa, vor allem aber aus Österreich nach Rust zu locken, erwies sich als kostspielige Illusion.
Mittlerweile jedenfalls hat der Europapark den Flughafen als Geschäftspartner abgeschrieben: "Wegen der massiven wirtschaftlichen Probleme von Babcock & Brown rechnen wir nicht mehr damit, dass in diesem Jahr Passagiere in Lahr landen werden", sagt Volker Klaiber von der Europapark-Geschäftsleitung. Sollten aber doch Passagiere über Lahr ankommen, habe Rust genügend Hotelkapazität zur Verfügung.
Doch das ist Theorie. In der Praxis intensiviert der Europapark vielmehr seine Zusammenarbeit mit dem 60 Kilometer entfernten Baden-Airport. Mit mehreren Reiseveranstaltern wurden Pauschalangebote vereinbart.
So weit wäre der Lahrer Flughafen auch gern. "Wir müssen so weit kommen, dass wir für Reiseveranstalter attraktiv werden", sagt Grossmann. Es sei ja nicht Aufgabe eines Flughafens, selbst Reisen zu organisieren. "Was wir also brauchen, ist ein geduldiger Investor."
Dass Lahr wirtschaftlich wieder Aufwind bekommt, davon zeigt sich Grossmann mit Blick auf die großzügige Infrastruktur überzeugt. Das kanadische Militär hat in der Tat nicht nur eine besonders lange, sondern auch eine außergewöhnlich tragfähige Start-und-Lande-Bahn in die Rheinebene betoniert. Solche Flughäfen, so Grossmanns Prognose, würden heutzutage nicht mehr gebaut. Fachleute rechneten deshalb in der EU über kurz oder lang mit einem Mangel an Flughafen-Kapazität - vor allem dann, wenn die bislang kleinteilige Flugsicherung in Europa endlich vereinheitlicht sei.
Doch das ist Zukunftsmusik. Angesichts der gewaltigen Rückschläge, die auch der Landesflughafen Stuttgart mit seiner Tochter Baden-Airport einstecken musste, bezweifeln Fachleute, dass sich Lahr kurzfristig erholt.
In Stuttgart jedenfalls zeigt man sich von den Turbulenzen nicht überrascht. "Dass es schwierig wird, wusste man von Anfang an", heißt es im Umwelt- und Verkehrsministerium. Allerdings sei die Wirtschaftlichkeit eine Angelegenheit des Betreibers. Dem Land sei vor allem wichtig, dass die Flugsicherheit gewährleistet sei.
Und wie steht es mit der eingeschränkten Passagierlizenz? Daran will Großmann nicht rütteln. "Wir haben die bestehende Genehmigungslage, und ich gehe davon aus, dass wir Lahr auch auf dieser Grundlage mit Leben erfüllen können."
Quelle:
http://www.stuttgarter-nachrichten.de