Sinnlichkeit und Glamour: Das Maxim im Europa-Park
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mokka
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Sinnlichkeit und Glamour: Das Maxim im Europa-Park
Wer heute durch die Warteschlange des CanCan Coasters geht, wird unwillkürlich in den Bann des Moulin Rouge um 1900 gezogen. Sehr detailliert wird das Milieu der Bohéme dargestellt, faszinierend der Blick „hinter die Kulissen“. Doch schon lange vor der Kooperation mit dem Moulin Rouge holte sich der Europa-Park Inspirationen aus der Welt des Varieté. Es war eine enge und prägende Verbindung, gemeint ist das Maxim in Budapest.
Nachdem Lee Pee Ville den Europa-Park Ende 1983 wieder verließ, brachte man in den folgenden Jahren zwar solide Shows auf die Bühne, der rote Faden fehlte allerdings dabei. Dies sollte sich jedoch 1986 ändern. Mit dem Maxim holte der EP eines der renommiertesten Varieté-Theater mit ins Boot. Die Qualität der Shows wurde auf ein neues Level gehoben. Verantwortlich dafür war ein Mann, dessen Name heute kaum noch jemand kennt: István Barna.
István Barna, undatiertes Foto (vermutlich 1970er Jahre):
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=102 ... 3006126703
Seine Geschichte und die „seines“ Maxims war erstaunlich und faszinierend, das Ende umso trauriger. Doch hier muss man erst weit zurückgehen in der Geschichte. Die Firma Pannónia entwickelte sich in den 1960er Jahren zur erfolgreichsten Hotelkette in Ungarn. Maßgeblichen Anteil daran hatte einer ihrer Direktoren: István Barna.
Zwar unterhielt Pannónia bereits einige Vergnügungsstätten wie Bars und Nachtclubs. Beim Bau des neuen Hotel Emke im Zentrum von Budapest, wollte man aber einen Schritt weitergehen und dort im Untergeschoss ein Varieté-Theater errichten. Barna setzte durch, dass dort die modernste Bühnentechnik installiert wurde, u.a. eine absenkbare und drehbare Bühne, in deren Mitte auch Wasserfontänen möglich waren.. Auch wurde das Theater klimatisiert, was damals noch unüblich war. István Barna war nicht nur für die Wirtschaftlichkeit verantwortlich. Er übernahm auch die Regie bei den Shows. Am 24. Oktober 1972 wurde das Maxim eröffnet. Es war von Beginn an ein fulminanter Erfolg.
Istvan Barna gibt „seinem“ Ballett Regieanweisungen. Die Zigarre war sein Markenzeichen:
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=13 ... 4994251749
Barna, bereits 52 Jahre alt, setzte von Beginn an auf Eleganz und Glamour nach westlichem Vorbild. Zwei Drittel der Gäste kamen aus dem Ausland. Die hohen Investitionskosten amortisierten sich bereits nach wenigen Jahren. An 6 Tagen in der Woche wurden jeweils um 20 Uhr und 23 Uhr Shows geboten.
Von außen schlicht und nüchtern, der Eingang des Maxim (1976):
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=102 ... 3006126703
Im Inneren dann Luxus, Erotik und Lebensfreude (Foto ca. Mitte der 80er Jahre):
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=10 ... 3006126703
Sehr viel nackte Haut und üppige Federkostüme waren nicht nur im Pariser Moulin Rouge, sondern auch im Budapester Maxim fester Bestandteil:
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
Egal wie freizügig die Tänzerinnen auftreten, spielen Federkostüme in den meisten Varietés eine entscheidende Rolle. Sie werden u.a. aus Straußenfedern hergestellt. Durch ihre weichen Bewegungen unterstreichen sie die Leichtigkeit der Tänzerinnen und betonen ihre Weiblichkeit.
Für den Europa-Park wurden etwas „stoffhaltigere“ Kostüme gewählt:
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=17 ... 3645208654
Wie man Ballett, Artistik und Erotik in pure Poesie umsetzt, zeigt eines der wenigen Bewegt-Bilder aus dem Maxim, hier aus dem Jahr 1990:
Bildquelle: https://www.youtube.com/watch?v=k8KRCfLjRRQ
Nirgendwo sonst hinter dem „eisernen Vorhang“ gab es solche glamourös ausgestattete Shows wie hier im Budapester Maxim. Durch seine hohe Arbeitsmoral, sein seriöses Auftreten und seine große Beliebtheit bei Artisten und Tänzerinnen erarbeitete sich István Barna einen Ruf, der es ihm auch ermöglichte nationale und internationale Stars zu engagieren, darunter Èva Bordás, Ilona Medveczky, das Golden Gate Quartet und die Kessler Zwillinge (Bild: Kessler Zwillinge im Maxim 1982):
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=102 ... 9055158117
Fester Bestandteil der Shows im Maxim war von Anfang an Mariann Tatrai. Sie fungierte als eine Art „Gastgeberin“ und war unter dem Pseudonym „Lady M“ für ihre Illusionsshow bekannt. Mit dieser Nummer trat sie zumindest in den Jahren 1990 und 1991 auch im Europa-Park auf. Das folgende Bild zeigt einen Flyer des Maxim-Varieté von Ende der 80er Jahre. Zu sehen u.a. Mariann Tatrai als „Lady M“. Sie trat auch mit einem chinesischen Panter auf, im EP jedoch nur mit ihrer Illusionsshow und mit dem Namenszusatz „Queen of Magic“:
Eigenes Bild
Hier mit ihrer Illusionsshow im Europa-Park. Bild aus einer EP-Zeitung von 1991:
Eigenes Bild
Die Ironie des Schicksals: Nirgendwo sonst in Osteuropa wurde Luxus und Freiheit so zelebriert wie im Budapester Maxim. Und genau diese Freiheit, die die sozialistischen Länder durch den Fall des Eisernen Vorhangs bekamen, sorgte für den Niedergang des Maxim. Pannónia begann sich umzustrukturieren, die Besucherzahlen im Maxim gingen zurück. István Barna versuchte sein Bestes um noch etwas zu retten. Im November 1990 kündigte Barna bei der Abschiedsvorstellung des Maxim auch seinen Abschied an. Er versuchte aber, zusammen mit dem Europa-Park und Pannónia ein Joint Venture zu gründen. Das Unternehmen sollte sich „West Orient Kft.“ nennen. Wie weit die Verhandlungen damals waren, konnte man in der EP-Zeitung von 1991 lesen. Dort wurde von dem „neuen Maxim-Showballett“ geschrieben, sowie „Musikarrangement und Choreographie der Revue sind von West-Orient-Shows, Budapest“. Doch Pannónia lehnte ab.
Letzten Endes wurde Pannónia von der französischen Hotelkette Accor geschluckt. Das Hotel Emke wurde in Ibis Hotel Budapest City umbenannt. Das Maxim – das Herz des Budapester Nachtlebens – wurde dem Erdboden gleichgemacht. Aus dem Palast der Träume wurde eine Tiefgarage für das Hotel.
István Barna hat den Verlust seines Maxim nicht verkraftet. Er starb 1993 nach kurzer Krankheit mit nur 73 Jahren. In nur zwei Jahrzehnten machte er das Maxim zu einer Legende. Auch für die Tänzerinnen, Artisten und Künstler war die Arbeit dort etwas Besonderes. Noch heute halten sie Kontakt und haben eine Maxim-Fanseite bei Facebook. Es ist sehr berührend, zu lesen, wie von Verstorbenen Abschied genommen wird, ihr „Chef“ Barna in höchsten Tönen gelobt wird und Erinnerungen ausgetauscht werden. Die laszive Stimmung, die launigen Shows bis spät in die Nacht, die tägliche Zusammenarbeit, schweißte sie zu einer großen Familie zusammen. Zum 50. Geburtstag des Maxim trafen sie sich 2022 vor ihrem alten Varieté Theater. Am linken Bildrand erkennt man die Tiefgarageneinfahrt, früher der Eingang zum Maxim:
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=102 ... 0936789235
Einige dieser älteren, aber immer noch eleganten Damen, dürften vor 35 – 40 Jahren auch im Europa-Park getanzt haben. Bereits 2015 gab es in Budapest ein großes Treffen aller Künstler. Darüber wurde sogar ein längerer Bericht im ungarischen Fernsehsender Neshama TV gebracht. Er zeigt nicht nur die heitere Melancholie des Treffens, sondern auch immer wieder kurze Einspielungen aus Shows des Maxim:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=8IhJMB7wgrU&t=4s
Was bleibt von dieser glitzernden Ära? Von diesem ungewöhnlichen Varieté? Was blieb im Europa-Park von dieser Leichtigkeit des Seins? Welche Lebensfreude versprühte das Ballett auf diesem EP-Prospekt-Foto von 1987:
Eigenes Bild
Nun, das Maxim war Geschichte, eine Zusammenarbeit gescheitert. Der Europa-Park sollte ab 1992 seine Shows selbst inszenieren und einige Jahre später auch ein eigenes Ballett auf die Beine stellen. Und damit ging man auch den Weg weiter, den Barna vorgab. Aber der Geist des Maxim blieb auch noch auf ganz anderer Weise im EP erhalten:
Auf dem o.g. Foto ist auch eine Revué-Tänzerin, die 1987 erstmals in den Europa-Park kam…und auch nach dem Ende des Maxim dort blieb: Brigitta Pal.
Brigitta Pal in einer Show im Budapester Maxim…
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
…und schließlich im Europa-Park-Teatro…
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
…und als bezaubernde Prinzessin im Schlosspark:
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
Nach einigen Jahren als Tänzerin war sie 15 Jahre Choreographin des neuen Europa-Park-Showballetts. 2017 führte sie Regie bei der Show „Sonata delle Carte“ im Europa-ParkTeatro, danach bei den Shows „Times“ 1 und 2 im Globe Theater. Auch bei der Show „The Show must go on” – wieder im EP-Teatro – führte sie Regie. Sie choreographierte außerdem Abendgalas und Confertainment Arrangements. Seit 2 Jahren ist sie bei der Talent Academy und kümmert sich als Projekt & Creative Manager um die Nachwuchs-Künstler im Park.
Brigitta Pal heute:
Bildquelle: https://ep-talent-academy.de/ueber-uns/
Und so endet diese Geschichte über das Maxim im Europa-Park.
Bei Frau Brigitta Pal möchte ich mich bedanken, dass sie meine nervigen Fragen geduldig beantwortete und mir auch noch private Bilder zur Verfügung stellte. Es bleibt zu hoffen, dass Frau Pal noch lange den Geist des Maxim im Europa-Park weiterträgt.
Ich schließe mit einem Zitat des österreichische Schriftsteller Peter Altenberg. Er schrieb im Jahr 1918 über die Kunst des Varietés:
„Jede Sache kurz und vollkommen! In Atem halten! Sport in idealen Höhepunkten, Musik-Vortrag, Frauenschönheit, alles, alles in exzeptionellen Exemplaren gehört auf die Varietébühne! Keine Zeit lassen zum Überlegen, zum langsamen Verdauen; ein Wirbelwind von Eindrücken! Das ist die Regie! Motto: Alles ist gut, was kurz und besonders ist!“
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
Wer heute durch die Warteschlange des CanCan Coasters geht, wird unwillkürlich in den Bann des Moulin Rouge um 1900 gezogen. Sehr detailliert wird das Milieu der Bohéme dargestellt, faszinierend der Blick „hinter die Kulissen“. Doch schon lange vor der Kooperation mit dem Moulin Rouge holte sich der Europa-Park Inspirationen aus der Welt des Varieté. Es war eine enge und prägende Verbindung, gemeint ist das Maxim in Budapest.
Nachdem Lee Pee Ville den Europa-Park Ende 1983 wieder verließ, brachte man in den folgenden Jahren zwar solide Shows auf die Bühne, der rote Faden fehlte allerdings dabei. Dies sollte sich jedoch 1986 ändern. Mit dem Maxim holte der EP eines der renommiertesten Varieté-Theater mit ins Boot. Die Qualität der Shows wurde auf ein neues Level gehoben. Verantwortlich dafür war ein Mann, dessen Name heute kaum noch jemand kennt: István Barna.
István Barna, undatiertes Foto (vermutlich 1970er Jahre):
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=102 ... 3006126703
Seine Geschichte und die „seines“ Maxims war erstaunlich und faszinierend, das Ende umso trauriger. Doch hier muss man erst weit zurückgehen in der Geschichte. Die Firma Pannónia entwickelte sich in den 1960er Jahren zur erfolgreichsten Hotelkette in Ungarn. Maßgeblichen Anteil daran hatte einer ihrer Direktoren: István Barna.
Zwar unterhielt Pannónia bereits einige Vergnügungsstätten wie Bars und Nachtclubs. Beim Bau des neuen Hotel Emke im Zentrum von Budapest, wollte man aber einen Schritt weitergehen und dort im Untergeschoss ein Varieté-Theater errichten. Barna setzte durch, dass dort die modernste Bühnentechnik installiert wurde, u.a. eine absenkbare und drehbare Bühne, in deren Mitte auch Wasserfontänen möglich waren.. Auch wurde das Theater klimatisiert, was damals noch unüblich war. István Barna war nicht nur für die Wirtschaftlichkeit verantwortlich. Er übernahm auch die Regie bei den Shows. Am 24. Oktober 1972 wurde das Maxim eröffnet. Es war von Beginn an ein fulminanter Erfolg.
Istvan Barna gibt „seinem“ Ballett Regieanweisungen. Die Zigarre war sein Markenzeichen:
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=13 ... 4994251749
Barna, bereits 52 Jahre alt, setzte von Beginn an auf Eleganz und Glamour nach westlichem Vorbild. Zwei Drittel der Gäste kamen aus dem Ausland. Die hohen Investitionskosten amortisierten sich bereits nach wenigen Jahren. An 6 Tagen in der Woche wurden jeweils um 20 Uhr und 23 Uhr Shows geboten.
Von außen schlicht und nüchtern, der Eingang des Maxim (1976):
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=102 ... 3006126703
Im Inneren dann Luxus, Erotik und Lebensfreude (Foto ca. Mitte der 80er Jahre):
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=10 ... 3006126703
Sehr viel nackte Haut und üppige Federkostüme waren nicht nur im Pariser Moulin Rouge, sondern auch im Budapester Maxim fester Bestandteil:
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
Egal wie freizügig die Tänzerinnen auftreten, spielen Federkostüme in den meisten Varietés eine entscheidende Rolle. Sie werden u.a. aus Straußenfedern hergestellt. Durch ihre weichen Bewegungen unterstreichen sie die Leichtigkeit der Tänzerinnen und betonen ihre Weiblichkeit.
Für den Europa-Park wurden etwas „stoffhaltigere“ Kostüme gewählt:
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo/?fbid=17 ... 3645208654
Wie man Ballett, Artistik und Erotik in pure Poesie umsetzt, zeigt eines der wenigen Bewegt-Bilder aus dem Maxim, hier aus dem Jahr 1990:
Bildquelle: https://www.youtube.com/watch?v=k8KRCfLjRRQ
Nirgendwo sonst hinter dem „eisernen Vorhang“ gab es solche glamourös ausgestattete Shows wie hier im Budapester Maxim. Durch seine hohe Arbeitsmoral, sein seriöses Auftreten und seine große Beliebtheit bei Artisten und Tänzerinnen erarbeitete sich István Barna einen Ruf, der es ihm auch ermöglichte nationale und internationale Stars zu engagieren, darunter Èva Bordás, Ilona Medveczky, das Golden Gate Quartet und die Kessler Zwillinge (Bild: Kessler Zwillinge im Maxim 1982):
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=102 ... 9055158117
Fester Bestandteil der Shows im Maxim war von Anfang an Mariann Tatrai. Sie fungierte als eine Art „Gastgeberin“ und war unter dem Pseudonym „Lady M“ für ihre Illusionsshow bekannt. Mit dieser Nummer trat sie zumindest in den Jahren 1990 und 1991 auch im Europa-Park auf. Das folgende Bild zeigt einen Flyer des Maxim-Varieté von Ende der 80er Jahre. Zu sehen u.a. Mariann Tatrai als „Lady M“. Sie trat auch mit einem chinesischen Panter auf, im EP jedoch nur mit ihrer Illusionsshow und mit dem Namenszusatz „Queen of Magic“:
Eigenes Bild
Hier mit ihrer Illusionsshow im Europa-Park. Bild aus einer EP-Zeitung von 1991:
Eigenes Bild
Die Ironie des Schicksals: Nirgendwo sonst in Osteuropa wurde Luxus und Freiheit so zelebriert wie im Budapester Maxim. Und genau diese Freiheit, die die sozialistischen Länder durch den Fall des Eisernen Vorhangs bekamen, sorgte für den Niedergang des Maxim. Pannónia begann sich umzustrukturieren, die Besucherzahlen im Maxim gingen zurück. István Barna versuchte sein Bestes um noch etwas zu retten. Im November 1990 kündigte Barna bei der Abschiedsvorstellung des Maxim auch seinen Abschied an. Er versuchte aber, zusammen mit dem Europa-Park und Pannónia ein Joint Venture zu gründen. Das Unternehmen sollte sich „West Orient Kft.“ nennen. Wie weit die Verhandlungen damals waren, konnte man in der EP-Zeitung von 1991 lesen. Dort wurde von dem „neuen Maxim-Showballett“ geschrieben, sowie „Musikarrangement und Choreographie der Revue sind von West-Orient-Shows, Budapest“. Doch Pannónia lehnte ab.
Letzten Endes wurde Pannónia von der französischen Hotelkette Accor geschluckt. Das Hotel Emke wurde in Ibis Hotel Budapest City umbenannt. Das Maxim – das Herz des Budapester Nachtlebens – wurde dem Erdboden gleichgemacht. Aus dem Palast der Träume wurde eine Tiefgarage für das Hotel.
István Barna hat den Verlust seines Maxim nicht verkraftet. Er starb 1993 nach kurzer Krankheit mit nur 73 Jahren. In nur zwei Jahrzehnten machte er das Maxim zu einer Legende. Auch für die Tänzerinnen, Artisten und Künstler war die Arbeit dort etwas Besonderes. Noch heute halten sie Kontakt und haben eine Maxim-Fanseite bei Facebook. Es ist sehr berührend, zu lesen, wie von Verstorbenen Abschied genommen wird, ihr „Chef“ Barna in höchsten Tönen gelobt wird und Erinnerungen ausgetauscht werden. Die laszive Stimmung, die launigen Shows bis spät in die Nacht, die tägliche Zusammenarbeit, schweißte sie zu einer großen Familie zusammen. Zum 50. Geburtstag des Maxim trafen sie sich 2022 vor ihrem alten Varieté Theater. Am linken Bildrand erkennt man die Tiefgarageneinfahrt, früher der Eingang zum Maxim:
Bildquelle: https://www.facebook.com/photo?fbid=102 ... 0936789235
Einige dieser älteren, aber immer noch eleganten Damen, dürften vor 35 – 40 Jahren auch im Europa-Park getanzt haben. Bereits 2015 gab es in Budapest ein großes Treffen aller Künstler. Darüber wurde sogar ein längerer Bericht im ungarischen Fernsehsender Neshama TV gebracht. Er zeigt nicht nur die heitere Melancholie des Treffens, sondern auch immer wieder kurze Einspielungen aus Shows des Maxim:
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=8IhJMB7wgrU&t=4s
Was bleibt von dieser glitzernden Ära? Von diesem ungewöhnlichen Varieté? Was blieb im Europa-Park von dieser Leichtigkeit des Seins? Welche Lebensfreude versprühte das Ballett auf diesem EP-Prospekt-Foto von 1987:
Eigenes Bild
Nun, das Maxim war Geschichte, eine Zusammenarbeit gescheitert. Der Europa-Park sollte ab 1992 seine Shows selbst inszenieren und einige Jahre später auch ein eigenes Ballett auf die Beine stellen. Und damit ging man auch den Weg weiter, den Barna vorgab. Aber der Geist des Maxim blieb auch noch auf ganz anderer Weise im EP erhalten:
Auf dem o.g. Foto ist auch eine Revué-Tänzerin, die 1987 erstmals in den Europa-Park kam…und auch nach dem Ende des Maxim dort blieb: Brigitta Pal.
Brigitta Pal in einer Show im Budapester Maxim…
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
…und schließlich im Europa-Park-Teatro…
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
…und als bezaubernde Prinzessin im Schlosspark:
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
Nach einigen Jahren als Tänzerin war sie 15 Jahre Choreographin des neuen Europa-Park-Showballetts. 2017 führte sie Regie bei der Show „Sonata delle Carte“ im Europa-ParkTeatro, danach bei den Shows „Times“ 1 und 2 im Globe Theater. Auch bei der Show „The Show must go on” – wieder im EP-Teatro – führte sie Regie. Sie choreographierte außerdem Abendgalas und Confertainment Arrangements. Seit 2 Jahren ist sie bei der Talent Academy und kümmert sich als Projekt & Creative Manager um die Nachwuchs-Künstler im Park.
Brigitta Pal heute:
Bildquelle: https://ep-talent-academy.de/ueber-uns/
Und so endet diese Geschichte über das Maxim im Europa-Park.
Bei Frau Brigitta Pal möchte ich mich bedanken, dass sie meine nervigen Fragen geduldig beantwortete und mir auch noch private Bilder zur Verfügung stellte. Es bleibt zu hoffen, dass Frau Pal noch lange den Geist des Maxim im Europa-Park weiterträgt.
Ich schließe mit einem Zitat des österreichische Schriftsteller Peter Altenberg. Er schrieb im Jahr 1918 über die Kunst des Varietés:
„Jede Sache kurz und vollkommen! In Atem halten! Sport in idealen Höhepunkten, Musik-Vortrag, Frauenschönheit, alles, alles in exzeptionellen Exemplaren gehört auf die Varietébühne! Keine Zeit lassen zum Überlegen, zum langsamen Verdauen; ein Wirbelwind von Eindrücken! Das ist die Regie! Motto: Alles ist gut, was kurz und besonders ist!“
Bildquelle: Brigitta Pal (privat)
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Spielplatz
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- Name: Markus Jörger
Danke für den ausführlichen Bericht und die arbeitsreiche Recherche.
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jens27
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Da kann ich mich nur anschließen, danke für diesen großartigen Beitrag 
